Phoenix Contact: Stromversorgungen, Überspannungsschutz und Geräteschutzschalter 2017/18
Qualitätsmerkmale der Isoliergehäuse Thermoplast Der größte Teil unserer Isoliergehäuse be- steht aus thermoplastischen Kunststoffen, die sich grob in amorphe und teilkristalline Werk- stoffe unterteilen lassen. Thermoplaste wer- den wirtschaftlich und umweltbewusst im Spritzgießverfahren verarbeitet und lassen sich gut recyceln und wiederverwenden. Eine Vielzahl unterschiedlich modifizierter Materia- lien decken die hohen Anforderungen elektri- scher und elektronischer Module, Geräte und Anlagen im Hinblick auf die mechanischen, thermischen und elektrischen Eigenschaften ab. Verhalten von Kunststoffen bei Tem- peratureinwirkung (Gebrauchstem- peraturen, mechanische Einflüsse) Bei langandauernder Wärmeeinwirkung auf Kunststoffe tritt immer eine sogenannte ther- mische Alterung auf, die eine Änderung von mechanischen und elektrischen Eigenschaften hervorruft. Äußere Einwirkungen z. B. Strah- lung, zusätzliche mechanische, chemische oder elektrische Beanspruchungen verstärken diesen Effekt. Durch spezielle Prüfungen an Probekörpern können Kennzahlen ermittelt werden, die einen guten Vergleich von Kunst- stoffen untereinander zulassen. Eine Über- tragbarkeit dieser Kennwerte zur Beurteilung von Kunststoffformteilen ist allerdings nur be- dingt möglich und kann demKonstrukteur nur grober Anhaltswert für die Auswahl eines Kunststoffwerkstoffs sein. Als Beurteilungs- kriterien werden in diesem Katalog der RTI- Wert nach UL746B/ANSI 746 B (Elec. bez. auf die Durchschlagfestigkeit) und der Ti- Wert nach IEC 60216-1 (bez. auf 50 % Zug- festigkeitsabfall nach 20.000 Std.) angegeben. Die IEC 60947-7-1/EN 60947-7-1 legt für Reihenklemmen bei Nennbelastung eine zu- lässige Temperaturerhöhung von 45 K fest. Phoenix Contact-Klemmen erfüllen diese An- forderung. Nicht nur bei der zuvor beschriebenen Wärmeeinwirkung, sondern auch bei Kälte- einwirkung verändern sich die Eigenschaften von Kunststoffen. Kunststoffe werden bei Käl- te und zusätzlich bei niedriger Luftfeuchte zu- nehmend spröder und können nicht mehr den gleichen mechanischen Belastungen widerste- hen. Gemäß der Tabelle (rechte Seite) sind die verwendeten Kunststoffe bis -40 °C einsetz- bar, jedoch ohne mechanische Belastung. Für die im Katalog dokumentierten Produkte ist die jeweils angegebene Umgebungstempera- tur für den Betrieb maßgeblich. Unabhängig von den verwendeten Kunststoffen kann diese durch die verwendeten Bauelemente oder an- dere limitierende Parameter weiter ein- schränkt sein, z. B. auf -20 °C. Bei sehr niedrigen Temperaturen sind daher jegliche mechanische Belastungen von Kunst- stoffkomponenten wie beispielsweise Monta- ge oder Demontage von Produkten auf/von der Tragschiene, Betätigen von Klemmstellen, Verriegeln oder Auswerfen von Relais aus So- ckeln, Heraushebeln von Steckbrücken, Bie- gen von Kabeln und Leitungen etc. zu vermei- den, da die Gefahr von Beschädigungen nicht ausgeschlossen werden kann. Es wird - sofern nicht anders angegeben - empfohlen, die ge- nannten Montage-/Bedienvorgänge in einem Temperaturbereich von -10 °C bis +40 °C durchzuführen. Brennverhalten von Kunststoffen (UL 94) Die Brennbarkeitsprüfungen für Kunststoffe wurden von den Underwriters Laboratories (USA) in der Vorschrift UL 94 definiert. Sie gilt für alle Anwendungsbereiche, insbesondere auch in der Elektrotechnik. In einem Horizon- tal- bzw. Vertikaltest wird das Brennverhalten des Kunststoffmaterials im Prüflabor unter Einwirkung einer offenen Flamme getestet. Die Bewertungsstufen sind mit steigendem flammwidrigen Verhalten in HB, V2, V1, V0 und 5V eingeteilt. Die Prüfergebnisse sind in den sogenannten „Yellow Cards“ aufgeführt und erscheinen jährlich im Recognized Component Directory. Thermoplast: Polyamid unverstärkt, PA Wir verwenden den modernen, teilkristalli- nen Isolierstoff Polyamid, der aus den Berei- chen der Elektrotechnik und Elektronik nicht mehr wegzudenken ist. Er nimmt seit langer Zeit eine dominante Stellung ein und ist von den einschlägigen Approbationsstellen wie CSA, NEMKO, KEMA, PTB, SEV, UL, VDE u. a. zugelassen. Polyamid hat auch bei hohen Gebrauchs- temperaturen sehr gute elektrische, mechani- sche, chemische und sonstige Eigenschafts- werte. Durch Wärmealterungsstabilisierung sind kurzzeitig Spitzentemperaturen bis ca. 200 °C zulässig. Der Schmelzpunkt liegt je nach Typ (PA 4.6, 6.6, 6.10 etc.) im Bereich von 215 °C bis 295 °C. Polyamid nimmt aus der Umgebung Feuch- tigkeit auf, im Mittel 2,8 %. Es handelt sich je- doch nicht um eingelagertes Kristallwasser, sondern um chemisch gebundene H 2 O-Grup- pen im Molekülgefüge. Dadurch wird der Kunststoff elastisch und bruchsicher, auch bei Temperaturen bis -40 °C. Nach UL 94 er- reicht PA die Brennbarkeitsklasse V2 bis V0. Thermoplast: Polyester, PBT Für spezielle Anwendungen mit erhöhten Anforderungen bezüglich Dimensions- und Formstabilität kommt bei uns der teilkristal- line thermoplastische Polyester in unverstärk- ter und glasfaserverstärkter Ausführung zum Einsatz. Der Werkstoff zeichnet sich neben der ho- hen Gebrauchstemperatur durch gute mecha- nische Festigkeit undHärte aus und nimmt aus der Umgebung keine Feuchtigkeit auf. Deshalb eignet sich PBT besonders für z. B. Leisten, die auf Leiterplatten aufgelötet werden und da- nach unter Wärmeeinwirkung einen Burn-In Test zu bestehen haben. Nach UL 94 erreicht PBT die Brennbarkeitsklasse V2 bis V0. Thermoplast: Polycarbonat, PC Polycarbonat vereinigt viele vorteilhafte Ei- genschaften wie Steifigkeit, Schlagzähigkeit, Transparenz, Dimensionsstabilität, gute Isolie- reigenschaften und Wärmebeständigkeit. Der amorphe Werkstoff nimmt nur in sehr geringem Maß Feuchtigkeit auf und wird z. B. für große formstabile Elektronikeinbaugehäu- se verwendet. In transparenter Ausführung eignet sich Po- lycarbonat besonders für Abdeckprofile oder Bezeichnungsmaterial. Gute Beständigkeit weist PC gegenüber Mi- neralsäuren, gesättigten aliphatischen Kohlen- wasserstoffen, Benzin, Fetten und Ölen auf. Wenig beständig ist der Werkstoff gegen Lösungsmittel, Benzol, Laugen, Azeton und Ammoniak. Bei Kontakt mit bestimmten Che- mikalien kann es zur Spannungsrissbildung kommen. Nach UL 94 erreicht PC die Brennbarkeits- klasse V2 bis V0. Thermoplast: Polycarbonat faserverstärkt, PC-F Faserverstärkte Polycarbonate zeichnen sich gegenüber unverstärktem Material durch höhere Steifigkeit, Schlagzähigkeit und Ge- brauchstemperatur aus. Im Übrigen stimmen die Eigenschaftsbilder mit unverstärktem Po- lycarbonat weitgehend überein. 344 PHOENIX CONTACT Technische Informationen Anhang
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg1MjI=